I.-R.A.S.C.

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Projektpräsentation:
I.-R.A.S.C. [ ai-reis ]

Ausstellung:
infra red light against surveillance camera
infra rotes Licht gegen Überwachungskamera
U.R.A. / FILOART
26.10.-22.11.07, Mi-So 17-21 Uhr, Neue Galerie, 4.OG
Eröffnung: 26.10.07, 20 Uhr!!!


Kuratiert von: D.N.K. / FILOART





Lecture:
"The Body Double: Ubiquitous Computing, Privacy and Surveillance Space"
With: Seda Guerses & Michelle Teran
Lecture on English language
30.10.07, 19 Uhr, Neue Galerie, 5.OG





Diskussionsrunde:
“Schutz vor dem Schutz”
Überwachung und Disziplinierung im öffentlichen Raum u.a. mit:
- Dr. Norbert Pütter, Politikwissenschaftler, Arbeitskreis Bürgerrechte und Polizei

- Michael Stein, Stadtplaner und Vorstand der Vereinigung der Stadt-, Regional- und Landschaftsplaner (SRL)
- Eric Toepfer, TU Berlin, Politikwissenschaftler, Zentrum Technik und Gesellschaft, Mitarbeiter im EU- Forschungsprojekt „Urbaneye“ zur Videoüberwachung
- Martin Reiter und Peter Riedelsperger,
Aktionsgruppe nur schrec!, Zukunftslabor
- Moderation: Ricardo Cristof Remmert-Fontes, Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung
9.11.07, 19 Uhr, Neue Galerie, 5.OG



Spaziergang:
Kameraspaziergang Friedrichshain
des Seminars für angewandte Unsicherheit [SaU]www.sau.net.ms
16.11.07, 16 Uhr
Treffpunkt: Galerie 35,

Simon-Dach-Straße 35, 10245 Berlin


Katalogpräsentation
6.12.07, 19 Uhr, Projektraum EG




I-R.A.S.C ist das Gerät, das den BürgerInnen einen zuverlässigeren Schutz vor den Sicherheitsmaßnahmen des Staates bietet. I.-R A.S.C. ist die Sicherheit vor der Sicherheit und somit eine Reaktion auf die Asymmetrie der Kräfte zwischen dem Staat und dem Individuum.
Im Gegenteil zu der Interaktion zwischen den Menschen bzw. zwischen Mensch und Maschine, stellt I.-R.A.S.C. eine Interaktion zwischen Maschinen dar. Auch dies ist Teil einer absurden Situation - obwohl der ganze Aufwand der Schutzmaßnahmen für die vermeintliche Sicherheit für uns Bürger gemacht wird, rutschten wir auf der Bedeutungsskala des gegenwärtigen Sicherheitskonzeptes immer tiefer nach unten.
I.-R.A.S.C. ist ein Infrarotlicht-Gerät zum Abschirmen vor Infrarotüberwachungskameras. Es kann ohne besonderes technisches Wissen von jedem nachgebaut werden.
Das Gerät strahlt das infrarote Licht aus, das die Aufnahmen von Infrarotüberwachungskameras stört. Das Gesicht der überwachten Person wird von einem Lichtball überdeckt.
Da die ganze Interaktion in einem nicht sichtbaren Spektrum (in Frequenzen zwischen 780nm und 1mm) erfolgt, bemerkt der Mensch nichts davon bzw. er sieht weder die infrarote Strahlenemission der Überwachungskamera noch die von der I-R.A.S.C.



Topographie der Ausstellung (I.-R.A.S.C.)
http://irasc.tacheles.de

Am Ende eines dunklen Ganges, in der vierten Etage des Kunsthauses Tacheles steht ein Satz geschrieben, der uns sofort anspricht. Ein Satz, der eine tiefe Sehnsucht in Buchstaben fest hält: „Hier sind sie sicher”. Es könnte sich auch um die Werbung für eine neue Familienversicherung oder um einen Werbeslogan einer beliebigen Firma handeln, denn die Sicherheit hat Konjunktur. Nun, was erwartet uns im Tacheles?
Schon am Eingang der Ausstellung wartet auf die Besucher die Gesichtskontrolle. Bevor man in einen kleinen Vorraum eintreten darf, wird man durch eine schmale Öffnung in der Tür kontrolliert. Dann erst bekommen die Besucher den Zugang zum Hauptraum, der einem Lager, Käfig oder einem temporären Gefängnis ähnelt.
Die Orientierung ist nicht einfach, da die Relation zwischen dem Mensch und dem Raum nicht definiert ist. Nur mühsam tastet man sich durch, ohne sichere Orientierungspunkte um sich herum finden zu können. Man fragt sich, ob man innerhalb oder außerhalb des Raumes ist oder in beiden Räumen gleichzeitig; befindet sich der Raum, in dem man gerade ist, in einem übergeordneten Raum? ... Wo ist man?
Das Überwachungsprinzip, das für die Zwecke der Ausstellung verwendet wurde, stellt eine Parallele zu Benthams Entwurf des alles sehenden Panoptikums her. Der ganze Raum lässt sich von nur einem Punkt aus ständig überwachen. Innen ist der Raum durch einen Metallzaun nach einem schwer ersichtlichen Ordnungsprinzip in verschiedene Zellen eingeteilt,durch die sich die Besucher nur eingeschränkt bewegen können. Auf der anderen Seite des Zaunes sind verschiedene Interaktionen der I.-R.A.S.C. zu sehen. Infrarot-Videoaufnahmen zeigen die I.-R.A.S.C. in verschiedenen öffentlichen Räumen im Einsatz. Die Aufnahmen sind in den bekannten, typischen aber für den Ausstellungsbesucher nicht lozierbaren Kontrollzonen angefertigt worden. Es sind verschiedene Stoppuhren und Koordinaten zu sehen, aber für die Besucher bieten sie keine weitere Aufklärung weder über den Raum noch über die Zeit. Die stumpfe Ruhe, die in diesem Raum herrscht, wird gelegentlich von dem strengen Klang des Metalls, das gegen den Zaun schlägt,unterbrochen. Das Geräusch betont die Unbestimmtheit des Ortes an dem man sich befindet und kann zu der Frage führen, wie schnell ein Mensch in so einem geschlossenen Raum landen kann, ohne es rechtzeitig zu merken. In einer der Zellen ist ein Film von der Bundeszentrale für politische Bildung über den Überwachungsstaat DDR zu sehen. Der Film veranschaulicht u.a. am Beispiel des Alexanderplatzes, wie mit Hilfe von Kameras Überwachung praktiziert wurde. Nebenan zeigt ein Video, das 2007 aufgenommen wurde, ebenfalls den Alexanderplatz. Der Unterschied ist verblüffend. Im Zentrum der ehemaligen Hauptstadt der DDR sieht heute alles ganz anders aus - viel moderner und effizienter als damals. In einer anderen Zelle kann man auch die I-R.A.S.C. ausprobieren und die Interaktion mit der Infrarot-Überwachungskamera auf einem Monitor verfolgen.
Eine benutzerfreundliche Anleitung zum Nachbau des I.-R.A.S.C. Gerätes steht frei zur Verfügung.
Von diesem Ort aus soll jeder seinen eigenen Ausgang finden.

I.-R.A.S.C.- Verweigerungsporträt

Die Bildnisse begleiten die Menschen durch ihre ganze Geschichte. Mal als Versuch sich über den Tod hinaus für die Nachkommen lebendig zu halten, mal als Demonstration der Macht. Von früheren Porträts, den so genannten Mumienporträts, bis hin zu Gegenwart, ist jedes Porträt stets bemüht größtmögliche Ähnlichkeit zu zeigen.
Es waren zuerst Herrscher und Heilige, die als Ikonen, später auch als autonome Individuen porträtiert wurden. So wissen wir, wie die Päpste, Bischofe und Kardinäle; Könige und Königinnen, Kriegsherren und Fürsten; Kaufleute, Patriarchen, treue Staatsdiener,ihre Frauen und manche berühmte Philosophen und Dichter aussahen, wir sehen was sie begehrt und besessen haben, denn möglichst sorgfältig und getreu - auch der Vorstellung von eigener Größe und Bedeutung - sollten die Bildnisse gefertigt werden. Spätestens seit der Renaissance hat das Porträt einen den festen Platz in der Kunstgeschichte angenommen. Es wurde und immer noch wird es auch für andere Zwecke verwendet: als Garant der Seriosität werden die Bildnisse von bedeutenden Personen als Münzen geprägt und als Motiv für Banknoten genommen oder als Darstellungen der Paradevertreter der Nationen für Briefmarken verwendet. Gesuchte Verbrecher werden mit Hilfe von „Kopfgeldblätter“ gesucht; die Gefangenen werden durch Polizeifotos abgebildet.
Portraits werden gewöhnlich nach Ansicht (Frontal, Viertelprofil, Halbprofil, Dreiviertelprofil, Profil...) oder nach Darstellungsformen (Bildniskopf, Büste, Brustbild...), gemacht und durch unterschiedliche Medien festgehalten (Skulptur, Malerei,Graphik, Fotografie, Video, CAD Programme). Meist beherrschen die abgebildeten Personen das ganze Format - ihr Gesicht erstrahlt den Raum des Bildes oder die räumlichen Gegebenheiten des Mediums. Mit Aufbruch der Moderne und des Zeitalters der Technik verändert sich auch der Anspruch des Porträts. Nicht mehr bzw. nicht ausschließlich die äußere Erscheinung der porträtierenden Person steht im Vordergrund - vielmehr ist es ein Ausdruck des Künstlers, der vermittelt werden möchte. Es ist in erste Linie seine Sicht der Welt. Während diese Entwicklung im Bereich der Kunst als ein Befreiungsprozess angesehen wird, das für moderne Gesellschaft neue Horizonte geöffnet zu haben scheint, wirkt ein „Bildnis“, das durch Einsatz von I.-R.A.S.C. zu Stande kommt, als verzweifelter Versuch der Bürger, sich ihre hart erkämpfte Freiheit zu bewahren.
Das I.-R.A.S.C.Verweigerungsporträt stellt eine radikale Veränderung nicht nur gegenüber der früherer Erscheinungsform des Porträts, sondern auch bezüglich seiner Bedeutung. Das Gesicht ist nicht zu erkennen, mehr noch - es verschwindet gänzlich! In dem dokumentierten (aufgenommenen, gefilmten) Material erscheint ein Lichtball an Stelle eines Gesichts/Portraits. Denn die/der „Porträtierte“ möchte diesmal unerkannt, in seiner Anonymität ungestört bleiben. Damit entsteht eine neue Funktion des Porträts - es wird zum Bildnis der Verweigerung.


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