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Alexandr Rodin 15.-30.10.05, Neue Galerie
(
Romantik bezeichnet eine literarische und kunsthistorische Epoche
zwischen 1795-1848. Weiterhin bezeichnet der Begriff Romantik mit
dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache, das Herz mit
Liebe zu erfüllen, z. B. in „romantische Liebe" , „romantische
Musik“ oder „ein romantischer Brief“. Wenn man von einem Mensch
sagt, dass er einen Hang zur Romantik besitzt, bedeutet das, dass
er eine Vorliebe für derartige Dinge hat.)

2005 liest und hört man aller Orten von der Wiederentdeckung der Romantik in
der Malerei bzw. der Kunst im Allgemeinen, sogar ehemalige
Kunsthighlights wie die Documenta verschreiben sich diesem
rückwärtsgewandten Trend. An dieser Stelle möchte ich einmal näher
untersuchen warum dem so ist.

Wir erleben zur Zeit ein Wiedererstarken der Religionen (im Zuge kruder
"Antiterrorphantasien" durchgeknallter Politiker&Militärs) und
eine Schwächung der öffentlichen Belange in From von Politk,
außerdem eine räuberisch entfesselte Wirtschaft, die ohne
Rücksicht auf Verluste ihre Interessen durchsetzt und dabei an das
romantisch verklärte Bild der Mafia aus den 60er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts erinnert.

Just in diesem Moment entdeckt die Kunstszene die Romantik für sich neu und
übersieht dabei völlig die schändliche Dummheit dieses Tuns.
Schändliche Dummheit ist noch untertrieben, da die Kunst damit
Ihren Anspruch auf Avantgarde und Fortschritt letztlich aufgibt,
zugunsten einer nach rückwärtsgewandten "Verhübschung" der Dinge.
Statt Wahrnehmung und Reflektion greifen Einbildung und Dekoration
um sich, statt Auseinandersetzung und kritische Betrachtung wird
Verdrängung und Betrug zum Prinzip erhoben. Somit kann der
Künstler weiterhin ein wenig auf seiner Leinwand (oder anderen
Medien) rumschmieren ohne irgendwo anzuecken oder ein Risiko
einzugehen, Konflikte werden vermieden, das eigene Überleben und
das Überleben des Kunstmarktes gesichert. Folge davon sind
uninteressante langweilige Ausstellungen und Kunstevents sehr oft
mit einer Art Sportcharakter (DJ Battles, VJ Battles, Poetry
Battles etc...) die keinerlei Auswirkungen auf die "Wirklichkeit "
haben und in Ihrer Oberflächlichkeit nur noch von den
Boulevardmedien (Bild, BZ, Unterschichtenfernsehen,....)
geschlagen werden.

Alexandr Rodin ist ein "NEOROMATIKER" er wirft die Dinge zusammen, schüttelt
das Datenfett unserer Zeit einmal kräftig durch und serviert dem
erstaunten Betrachter, Infoschaum in From von Tafelbildern, die
einem die Sprache verschlagen. Romantisch verklärte Figuren zeigen
Ihr wahres Ich, schöne Flugzeuge verkommen zu furchtbaren
Kriegsgerät. Formen, Farben und Bewegung sammeln sich immer wieder
neu und versuchen so zu tun wie es ist. Rodin gibt den Dingen
einen Namen, behübscht nichts und zeigt in seinen Arbeiten, daß
zeitgenössische Malerei auch im 21 Jahrhundert noch möglich ist,
ohne sich den Verhältnissen unterzuordnen oder aus reinem
Opportunismus das Maul zu halten.

Gleichzeitig besitzen die Bilder eine gewisse Romantik und Harmonie, diese
trägt aber der bürgerliche Revolution 1848 genauso Rechnung wie
den sozialistischen Revolutionen, der Weltkriege, des kalten
Krieges oder des zur Zeit stattfindenden Neoliberal/Semireligiösen
Theaters. Er nimmt wahr, erklärt, interpretiert, schimpft und
lacht über das Heute genauso, wie über das Gestern und die Zukunft.
Alexandr Rodin ist ein Neoromantiker und das ist gut so.
Martin
Reiter 10.2005
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